2G, 2G+, 3G: Wer in Sachen Corona gerade den Überblick verliert, was erlaubt ist und was nicht, geht mit dem Wohnmobil-Dinner auf Nummer sicher. Das Konzept ist denkbar einfach: Man fährt mit seinem Wohnmobil auf den Stell- oder Parkplatz eines Restaurants, wo man ein stilvolles, meist mehrgängiges Menü ans Wohnmobil geliefert bekommt. Der Service vor Ort erfolgt kontaktlos und corona-konform. Das Besondere: Die Speisen werden auf echtem Geschirr serviert, zum Beispiel in einer Thermobox oder sie werden– ganz alte Schule – persönlich unter einer mit Speiseglocke an der Wohnmobil-Tür überreicht. Manche Gastwirte stellen den Dinner-Gästen sogar Dekoration und Tischdecken zur Verfügung. Eine stimmungsvolle Abwechslung zur lauwarmen Pizza im Pappkarton.

‍Eine Idee, geboren aus der Not

Die Idee stammt von einer Reihe kreativer und von anhaltenden Lockdowns gebeutelter Gastwirte. Als Reaktion auf Ausgangssperren und Umsatzschwund riefen sie kurzerhand die Facebook- Gruppe WohnmobilDinner ins Leben, um einerseits ein wenig Umsatz zu machen und andererseits den Gästen eine originelle und stilvolle kulinarische Abwechslung vom Alltag zu bieten. Mittlerweile haben sich über 44.000 Restaurants und Gasthöfe in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz dem Netzwerk angeschlossen.

‍Aussuchen, Reservieren, Hinfahren

Ein Wohnmobil-Dinner zu buchen ist kaum mehr Aufwand als eine gewöhnliche Reservierung beim Italiener um die Ecke: Die teilnehmenden Restaurants findet man in der Facebook-Gruppe WohnmobilDinner oder im Web auf https://womo-explorer.de/entdecken/. Nachdem man sich für ein Lokal entschieden hat, nimmt man mit den Gastwirten Kontakt auf und bestellt die gewünschten Speisen und Getränke telefonisch oder vor Ort. Die Anmeldung erfolgt über das KFZ-Kennzeichen. Vor Ort verlässt man das Wohnmobil zum Essen nicht, die Gerichte werden entweder persönlich bis an die Tür des Wohnmobils gebracht (natürlich corona-konform mit Maske und Abstand) oder sie wird in einer Warmhaltebox vor dem Wohnmobil abgestellt. Ganz wie im Restaurant wird der Abwasch den Gästen abgenommen – schließlich soll das Event ja eine Auszeit vom Alltag sein. Gezahlt wird bevorzugt kontaktlos mit EC- oder Kreditkarte, also ganz wie bei einem gewöhnlichen Lieferdienst.

Festlich gedeckter Tisch mit Weinglas und Lachs auf GemĂĽsebett
Aktueller Trend dank Corona: das Dinner im eigenen Wohnmobil. (© Casey Lee/Unsplash)

‍Auch für besondere Anlässe

Bei Wohnmobilisten kommt das Angebot, sich im eigenen Camper kulinarisch verwöhnen zu lassen, sehr gut an. Auch zu festlichen Anlässen, wie Geburtstagen, an Silvester, zu Ostern oder für ein saisonales Spezialitäten-Menü kann man sich bei den Restaurants anmelden. Nach dem Dinner verlässt man als Gast in der Regel das Gelände. Je nach Corona-Situation und Parkmöglichkeiten ist aber auch eine Übernachtung im Wohnmobil möglich. Da die Restaurants des WohnmobilDinner-Netzwerks oft in ländlicher Umgebung liegen – dort, wo sich nicht viele Selbstabholer hin verirren – gibt es durchaus Anwesen, die Platz für ein oder mehrere Wohnmobile zum Übernachten anbieten. Aktuell ist das Übernachten auf dem Gelände, sofern der Platz vorhanden ist, gestattet. Sollten sich die Corona-Bestimmungen ändern, erfährt man dies über die Facebook-Gruppe. In der Regel sollte das Wohnmobil autark sein, also unabhängig von einer Versorgungsstation oder Toilette. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: So bieten manche Restaurantbesitzer ihren Dinner-Gästen sogar Landstrom und W-LAN für ihr Wohnmobil an. Ob eine Übernachtung vor Ort möglich ist, erfragt man am besten gleich bei der Anmeldung. Und wer weiß: Vielleicht wird aus dem einmaligen Wohnmobil-Dinner am Ende eine kleine Schlemmertour durch unbekannte Regionen fast vor der Haustür.